Warum Jugendarbeit unverzichtbar ist

Die Angebote der Jugendarbeit:
- knüpfen an den Interessen junger Menschen an,
- werden von ihnen mitbestimmt und mitgestaltet,
- fördern Selbstbestimmung, Mitverantwortung und soziales Engagement.
Sie reichen von Jugendclubs, Ferienangeboten und Jugendfreizeiten über außerschulische Bildung bis hin zu internationalen Jugendbegegnungen. Dabei unterstützt Jugendarbeit junge Menschen bei der Persönlichkeitsentwicklung, bei der Orientierung und beim Erwerb sozialer Kompetenzen.
Haltekraft für die Region

Jugendarbeit stärkt die Bindung junger Menschen an ihre Heimatregion. Gerade im ländlichen Raum trägt sie dazu bei, dass Jugendliche bleiben, sich engagieren, Familien gründen – und langfristig zur Stabilität von Ehrenamt, Wirtschaft und Gesellschaft vor Ort beitragen. Wer Jugendclubs abbaut und Jugendverbände nicht unterstützt riskiert langfristige Folgeschäden: den Rückzug junger Menschen, soziale Vereinsamung, Schwächung des Ehrenamts und eine Abwärtsspirale für ganze Regionen.
Mangelnde Finanzierung – strukturelle Schieflagen

Die Hauptverantwortung für Planung und Finanzierung liegt bei den Landkreisen – Jugendarbeit ist dort eine gesetzlich verankerte Pflichtaufgabe. Doch vielerorts ist die Lage angespannt:
Viele Jugendclubs arbeiten mit veralteter Infrastruktur und unter Personalmangel. Das macht qualitativ hochwertige, verlässliche Arbeit schwer. In vielen Regionen zeichnet sich ein schleichender Rückbau ab – und damit der Verlust sicherer, offener Räume für junge Menschen.
Auch wenn sich das Land Sachsen-Anhalt gemäß § 31 KJHG-LSA an der Finanzierung beteiligt – und zuletzt moderate Erhöhungen vorgenommen hat – bleibt die Jugendarbeit insgesamt unterfinanziert.
Besonders im Flächenland Sachsen-Anhalt zeigt sich: Der Zugang zu wohnortnaher Jugendarbeit wird immer schwieriger. Öffentliche Verkehrsmittel sind oft kaum verfügbar, Wege weit – die Versorgung in ländlichen Räumen ist besonders herausfordernd.
Ein zusätzlicher Stolperstein ist die oft pauschale Regelung von Eigenanteilen: Freie Träger sollen in der Regel 10 % Eigenmittel einbringen – unabhängig von ihrer Struktur, Größe oder finanziellen Lage. In der Realität bekommen manche Träger z. B. 90.000 € für den Betrieb eines Jugendclubs, müssen aber 10.000 € selbst aufbringen. Für ehrenamtlich getragene Strukturen ist das kaum leistbar und auch sonst wenig attraktiv. Ehrenamtliche Leistungen – die gerade in Jugendclubs massiv eingebracht werden – werden dabei selten als Eigenleistung anerkannt, obwohl sie genau das sind. Man stelle sich vor, ein Landkreis würde ein Bauunternehmen bitten, eine Straße für 100.000 € zu bauen – und nur 90.000 € zusagen. Genau das passiert aber regelmäßig in der Jugendarbeit.
Was es braucht
Aus unserer Sicht braucht es dringend eine weitergehende Erhöhung der Landesmittel und zugleich eine klare Anerkennung der Relevanz von Jugendarbeit auf kommunaler Ebene – mit entsprechendem Mitteleinsatz. Zudem braucht es grundlegende Investitionen um anstehende Aufgaben wie die Stärkung der Inklusion und die Digitalisierung in der Jugendarbeit voranzutreiben.
Nur wenn Jugendarbeit vor Ort verlässlich finanziert, strukturell gesichert und politisch anerkannt ist, kann sie ihre wichtige Rolle für junge Menschen und die Gesellschaft erfüllen.