Offene/mobile Kinder- und Jugendarbeit in Sachsen-Anhalt

VonJonas

Offene/mobile Kinder- und Jugendarbeit in Sachsen-Anhalt

Teil 5 unserer Reihe zum 7. Kinder- und Jugendbericht.

Vor unserem „Fachgespräch offene Kinder- und Jugendarbeit vor, im und nach dem Shutdown“*, der am Mittwoch um 14:00 Uhr stattfinden wird, haben wir für euch Zahlen, Daten und Fakten zur offenen Kinder- und Jugendarbeit zusammengestellt. Geschaut haben wir dabei natürlich wieder in den 7. Kinder- und Jugendbericht der Landesregierung – allerdings diesmal nicht nur hier.  

Die offene/mobile Kinder- und Jugendarbeit ist eine Leistung im Rahmen des § 11 SGB VIII und wird von freien und öffentlichen Trägern erbracht. Die Zuständigkeit für die Kinder- und Jugendarbeit liegt bei den Landkreisen und kreisfreien Städten. Mit den Mitteln, die das Land über den § 31 KJHG-LSA ausreicht, unterstützt das Land u. a. diese Arbeit. 

Schaut man sich die Zahlen der Bekanntheit und der Nutzung etwas genauer an, so ergibt sich ein zweigeteiltes Bild. So sind die Bekanntheit von Einrichtungen der offenen Jugendarbeit bei den Befragten, die nicht auf ein Gymnasium gehen, um 5 % höher als bei den Gymnasiast*innen. Deutlich größer ist der Unterschied bei der Nutzung. Von den Schüler*innen der Gymnasien nutzen nur 22 % die Einrichtungen. Schüler*innen aller anderen Schulformen jedoch zu 49 %. Alle Zahlen finden sich auf den Seiten 431 & 433 im Kinder- und Jugendbericht. 

Mit Blick auf alle Freizeitangebote wurden junge Menschen im Zuge der Jugendbefragung gefragt, wie sie von den Angeboten, in denen sie aktuell aktiv sind oder früher aktiv waren, erfahren haben.  Auch wenn es sich hierbei nicht um eine Frage explizit zu den Angeboten der offenen Jugendarbeit handelt, würden die Ergebnisse hier wahrscheinlich ähnlich ausfallen. Die Ergebnisse bestätigen zudem für Sachsen-Anhalt, was auch andere Jugendstudien immer wieder erfassen. Der Zugang zur Jugendarbeit erfolgt in erster Linie über Freund*innen, Familie und bereits aktive Personen. Soziale Medien wie Youtube, Facebook (18 %) sind gleich auf mit Flyern und sonstiger Werbung (ebenfalls 18 %) relativ weit hinten. An letzter Stelle stehen „Informations- und Kontaktstelle“ und „Sonstiges“ mit 3 %. Alle Zahlen finden sich im Kinder- und Jugendbericht auf Seite 434.

Im Rahmen der Jugendbefragung des Kinder- und Jugendberichtes wurden die jungen Menschen, die im Rahmen der Jugendbefragung angegeben haben, dass sie ein Jugendzentrum, einen Freizeittreff oder Jugendclub in ihrer Umgebung kennen und dort nicht hingehen, gefragt, warum sie dieses Angebot nicht nutzen. Die Antworten finden sich auf Seite 124 im Bericht. So gaben z. B. 47 % an, dass sie in ihrer Freizeit lieber andere Dinge machen. 41 % geben an, dass es dort nichts gibt, was sie interessiert, und 31 %, dass sie keine Zeit dafür haben.  Nicht gefragt wurden allerdings die jungen Menschen, die die Einrichtungen nutzen, warum sie die Einrichtungen nutzen. Hierfür gibt es allerdings Zahlen aus regionalen Studien z. B. für den Saalekreis.** Die Antworten der jungen Menschen aus dieser Erhebung findet ihr zusammengefasst auf der Grafik. 

Für einige der im 7. Kinder- und Jugendbericht dargestellten Daten gibt es bereits neuere. So auch für die Zahl der Einrichtungen der Jugendarbeit. Hier hat das Statistische Landesamt*** Ende 2019 die Zahlen für 2018 veröffentlicht. Wir greifen dement-sprechend auf die Zahlen dort zurück. Jedoch nicht, ohne euch zu verraten, wo die entsprechenden Zahlen und die dazugehörigen Ausführungen im 7. Kinder- und Jugendbericht sind. Wen also nicht nur die Zahlen, sondern auch die Auswertung im Rahmen des Berichtes interessieren, findet alles Wichtige im Kapitel: „1.1.1 Rahmen der Jugendarbeit und Jugendverbandsarbeit“ ab Seite 145.

Die Anzahl der in den Daten des Statistischen Landesamtes gemeldeten Einrichtungen schwankt. Dennoch lässt sich seit 2014 ein abnehmender Trend verzeichnen. So gab es in ganz Sachsen-Anhalt im Jahr 2014 laut Statistischem Landesamt**** 607 Einrichtungen, in 2018 sind es 539 und damit 68 Einrichtungen weniger. Als Ring haben wir mit anderen landesweiten Trägern mit unserer Petition „Zukunft sichern: Jugendarbeit vor Ort retten!“ (vgl. http://kjrlsa.de/petitionjugendarbeit) u. a. auf diesen Trend aufmerksam gemacht. 

Der Kinder- und Jugendbericht nimmt die Entwicklung seit 2010 in den Blick und verzeichnet hier bis 2014 einen Anstieg und ab 2014 mit Blick auf 2016 einen Abfall. Ferner verweist er auf die unterschiedliche Entwicklung in den unterschiedlichen Landkreisen/kreisfreien Städten. Wer dies nachlesen kann, findet die Informationen auf den Seiten 145f. im Bericht.

Auch für die Anzahl der in den Einrichtungen der Jugendarbeit tätigen Personen gibt es seit Dezember 2019 neue Zahlen vom Statistischen Landesamt. Diese findet ihr in der Grafik. Der Kinder- und Jugendbericht beschäftigte sich auf Seite 146 mit den Entwicklungen des Personals seit 2010. Auch hier stellt der Bericht zwischen 2010 und 2014 einen Anstieg fest und konstatiert ab dort einen Rückgang. Dieser Rückgang setzt sich auch in 2018 fort. Während in 2014 noch 866 Menschen in den Einrichtungen der Jugendarbeit arbeiteten, sind es 2018 noch 817 Personen. Mit Blick auf das in den Einrichtungen tätige Personal ist zudem wichtig, dass hier ein Generationenwechsel ansteht. 2016 waren zwei Drittel der in der Jugendarbeit tätigen Personen über 40 Jahre alt, 40 % sogar über 50 Jahre alt (Bericht Seite 146). Mit Blick auf das Personal steht also ein Generationenwechsel an. Dies stellt bei den aktuellen Rahmenbedingungen und dem bestehenden Fachkräfteengpass im Bereich der Sozialen Arbeit eine große Herausforderung für die Jugendarbeit da. 

„Die Angebote sollten besser in den Schulalltag vernetzt werden. Die Angebote sind zu weit vom Wohnort im ländlichen Raum entfernt. Stadt und Land müssen gleich behandelt werden. Außerdem ist der ÖPNV zu gering ausgebaut. Die Taktung von Bus und Bahn ist zu groß.“

Diese und das Zitat auf der Folie sind zwei der Antworten, die im Kinder- und Jugendbericht als Antwort auf die offene Frage: „Hast du Ideen, wie diese Angebote und Einrichtungen verbessert werden könnten, damit du zufriedener bist? Dann teile sie uns bitte mit.“****** abgedruckt wurden.  Alle Zitate sind im Kinder- und Jugendbericht auf Seite 125 nachzulesen. Insgesamt werden dort vier Cluster vorgestellt: „Angebote besser bewerben“, „Angebote besser erreichbar machen“, „Rahmenbedingungen für Jugendarbeit sichern“ und „Jugendbeteiligung ausbauen“. 

Den ersten Teil findet ihr hier:
Den zweiten Teil findet ihr hier:
Den dritten Teil findet ihr hier:
Den vierten Teil findet ihr hier:

7. Kinder- und Jugendbericht der Landesregierung: http://kjrlsa.de/7KJBLSA

Anmerkungen/Quellen

* Infos zum „Fachgespräch offene Kinder- und Jugendarbeit vor, im und nach dem Shutdown“* und zur Liveübertragung findet ihr hier: http://kjrlsa.de/FachgespraechOKJA

** DJI: Karen Hemming, Frank Tillmann, Stefan Fehser „What’s up?“ Die Kinder- und Jugendstudie im Landkreis Saalekreis, abrufbar hier.

*** Statistisches Landesamt Sachsen-Anhalt „Einrichtungen und tätige Personen der Jugendhilfe 2018“, Seite 12, abrufbar hier:

**** Statistisches Landesamt Sachsen-Anhalt „Einrichtungen und tätige Personen der Jugendhilfe 2014“, Seite 12, abrufbar hier:

Statistisches Landesamt Sachsen-Anhalt „Einrichtungen und tätige Personen der Jugendhilfe 2018“, Seite 12, abrufbar hier:

***** Statistisches Landesamt Sachsen-Anhalt „Einrichtungen und tätige Personen der Jugendhilfe 2018“, Seite 12, abrufbar hier:

****** Diese Fragen wurden im Rahmen der Jugendbefragung allen jungen Menschen gestellt, die die Frage „Alles in allem, wie zufrieden bist du mit den Angeboten und Einrichtungen in deiner Nähe, in denen Jugendliche und junge Erwachsene sich treffen und gemeinsam etwas machen können?“ mit „eher zufrieden“, „weniger zufrieden“, „unzufrieden“ oder „kann ich nicht beurteilen“ beantwortet haben. 

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