Institutionelle Beteiligung und Partizipation

VonJonas

Institutionelle Beteiligung und Partizipation

Teil 4 der Serie des KJR LSA zum 7. Kinder- und Jugendbericht der Landesregierung

Ein Schwerpunkt der Jugendbefragung zum 7. Kinder- und Jugendbericht ist das Thema Partizipation.  Hierbei liegt der Blick insbesondere auch auf dem Aspekt der institutionellen Beteiligung, also den Möglichkeiten der Mitbestimmung in Schule, Ausbildung, Beruf oder Hochschule. 50 % der Antwortenden gaben im Rahmen der Jugendbefragung an, dass sie in ihrer Schule/beruflichen Ausbildung bzw. Umschulung/ihrem Studium/ihrer Arbeit institutionell engagiert sind oder waren (Seite 424). Guckt man auf die einzelnen Institutionen, ergibt sich ein unterschiedliches Bild. Mit 65 % ist die Anzahl der Personen, die sich in der Schule engagieren, am höchsten. Es folgen Studium und Arbeit mit jeweils 41 %. Die wenigsten jungen Menschen engagieren sich im Rahmen ihrer Ausbildung/Umschulung. Hier liegt der Wert bei 25 % (Seite 113).  Bei der Bewertung der Zahlen muss allerdings berücksichtigt werden, dass auch die Möglichkeiten, sich aktiv in die jeweiligen Institutionen einzubringen, sehr unterschiedlich sind. Diese sind mit Schüler*innenvertretungen, Arbeitsgemeinschaften, Schüler*innenzeitungen etc. in der Schule deutlich höher als z. B. in der Ausbildung.

Im Kinder- und Jugendbericht findet ihr die ausführlichen Infos auf Seite 110 im Bericht sowie weitere Tabellen zum Thema im Anhang ab Seite 424. 

Jungen Menschen ist es wichtig, dass das, was sie tun, auch Spaß macht – auch beim Engagement. Deutlich wird zudem, dass den befragten jungen Menschen wichtig ist, dass ihre Meinung ernstgenommen wird (45 %) bzw. dass sie mit ihrem Engagement wirklich etwas verändern können (39 %). Nicht so wichtig ist für die befragten jungen Menschen dagegen, dass sie lernen zu verstehen, wie Entscheidungen getroffen werden (18 %) bzw. dass sie sich nicht zu lange verpflichten (13 %). Die Zahlen finden sich auf Seite 115. Hieraus ergeben sich Hinweise darauf, wie Möglichkeiten der Partizipation ausgestaltet sein müssen, damit junge Menschen sich in ihnen engagieren und einbringen. Dabei scheinen der individuelle Nutzen sowie die Möglichkeit, etwas zu bewirken oder zumindest gehört und ernstgenommen zu werden, eine besondere Rolle zu spielen. Als KJR LSA haben wir uns hier bereits positioniert. Wie aus unserer Sicht die Partizipation u. a. in Schule, Hochschule, Ausbildung und Beruf verbessert werden kann, findet ihr in unserer Broschüre: „Gelebte Demokratie – Jugendpartizipation in Sachsen-Anhalt“ unter: https://www.kjr-lsa.de/service/publikationen/.

Viele der im Rahmen der Jugendbefragung im Bereich Partizipation gestellten Fragen befassen sich mit der Zufriedenheit der jungen Menschen mit den bestehenden Partizipations-möglichkeiten. Zwei Fragen wurden dabei institutionsübergrei-fend gestellt. Die Frage nach der Zufriedenheit mit den Möglichkeiten, in wichtigen Fragen mitzuentscheiden, haben wir für euch in der Grafik aufbereitet. In der zweiten Frage geht es darum, die eigene Meinung gegenüber anderen zu äußern. Insgesamt sind die jungen Menschen mit den bestehenden Möglichkeiten der Meinungsäußerung zufriedener als mit der Möglichkeit, tatsächlich bei wichtigen Fragen mitentscheiden zu können (Seiten 110, 111, 112).

Für die Frage: „Wie zufrieden bist du mit den Möglichkeiten, deine Meinung gegenüber Mitschüler*innen und Lehrer*innen frei zu äußern?“ gibt es in der Anlage des Berichtes auch eine Aufschlüsselung nach Schulformen (Seite 426). Auffällig ist hier, dass die Zufriedenheit (sehr zufrieden/eher zufrieden) an den Förderschulen und an den Berufsschulen am höchsten ist. Sie liegen damit beide über dem Gesamtwert. Die sonstigen Schulformen (Gesamt- und Gemeinschaftsschulen) sowie Gymnasien scheiden dagegen deutlich schlechter ab.  Leider wird der Frage nach dem ‚Warum‘ im Bericht nicht weiter nachgegangen. Die Zahlen für die Sekundarschulen und Förderschulen stehen übrigens entsprechend so im Bericht. Wir gehen davon aus, dass es aufgrund von Rundungen dazu kommt, dass es jeweils nicht exakt 100 %, sondern 99 % bzw. 101 % sind.

Spannend ist auch zu gucken, wo und wie sich die jungen Menschen in den Institutionen engagieren. Wir beginnen mit den jungen Menschen in Ausbildung. Wichtige Instrumente der Beteiligung für junge Menschen sind die Jugend- und Auszubildendenver-tretungen sowie die Betriebs- und Personalräte. Insgesamt 14 % der antwortenden Jugendlichen bringen sich hier ein.  Bei der Würdigung dieser Ergebnisse muss bedacht werden, dass aktuell nur 14 % der Betriebe – in denen es rechtlich möglich ist – auch  einen Betriebsrat haben (vgl. Landtag von Sachsen-Anhalt https://www.landtag.sachsen-anhalt.de/2018/arbeit-der-betriebsraete-soll-unterstuetzt-werden/ Stand: 13.04.2020). Da eine Jugend- und Auszubildendenvertretung aber zwingend einen Betriebs- oder Personalrat voraussetzt, ist davon auszugehen, dass die Anzahl der Betriebe mit einer Jugend- und Auszubildendenvertretung im Land noch geringer ist als die der Betriebe. Hierdurch wird jungen Menschen aus Sicht des KJR LSA eine wichtige Möglichkeit der betrieblichen Mitbestimmung genommen.

Deutlich wird an den Ergebnissen aber auch, dass die Ersteller*innen des Fragebogens und die befragten jungen Menschen unter der Frage nach dem Engagement ggf. unterschiedliche Aspekte verstanden haben. So gaben 75 % der Befragten an, in keinem der auszuwählenden Bereiche aktiv zu sein. 2 % wählten Sonstiges und benannten hier z. B. die Mitgliedschaft in einer Gewerkschaft oder ein anderes Ehrenamt (Seite 427).

Die Gruppe der Schüler*innen ist die Gruppe, die sich am meisten in der eigenen Institution engagiert. Dies wird durch eine Vielzahl an Mitbestimmungs- und Beteiligungs-formaten möglich und unterstützt. Dabei teilt sich die formale Vertretung der Schüler*innen-vertretung nach Schulgesetz in die Antworten (Klassensprecher*in/ Schulsprecher*in 35 %; Klassenrat 13 % sowie Schüler*innenvertretung
13 %). Das größte Engagementfeld stellen die Arbeitsgemeinschaften und Projekte außerhalb des Unterrichts dar.

Spannend aus dem Blickwinkel der Jugendverbände sind insbesondere die Angaben zum Thema Schulsanitätsdienst und Schüler*innenzeitungen, -radios und -webseiten. Zusammen immerhin 12 % der Schüler*innen geben an, hier aktiv zu sein. Dabei werden diese Angebote z. B. durch das @Jugendrotkreuz Sachsen-Anhalt oder @fjp>media unterstützt.

Zum Thema Mitbestimmung an Schule hat der KJR LSA bereits mehrfach Position bezogen. Z. B. in unserer Stellungnahme zur 14. Änderung des Schulgesetzes des Landes Sachsen-Anhalt im Jahr 2017 (Diese findet ihr hier: https://www.kjr-lsa.de/jugendpolitik/stellungnahmen/ Stand: 14.04.2020).

Ihr wollt mehr wissen? Kein Problem. Den ganzen Bericht findet ihr unter: http://kjrlsa.de/7KJBLSA

Den ersten Teil findet ihr hier:
Den zweiten Teil findet ihr hier:
Den dritten Teil findet ihr hier:

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